Arno Boldt

Kein Narr, wer anders denkt…

Wer im Schwätzen groß ist, kann für gewöhnlich das Maul weit aufreißen. Wer sein Maul weit aufreißen kann, und dabei noch die Wahrheit kennt, kann zu einem Messias seiner Branche oder Clown ohne Auftrag werden. Rainer Brüderle ist Narr genug zu wissen, welche Seite ihm zusteht. In inbrünstiger Art und Weise diente er sich den Börsen-Bossen und DAX-Mäxchen an, um das in Agenturmeldungen verkündete Moratorium bzgl. der Atomkraftwerke zurecht zu biegen. Der Wähler sei die eigentliche Gefahr. Die Entscheidungen der Bundeskanzlerin sind deshalb nicht immer rational.

Richtig ist, die Politik ist nunmal ein weiches Schaumkissen außenrum und im Innern ein Drops mit vordergründigem Erdbeergeschmack und bitterem, kalten Stahl im Abgang: Wer genug Gewicht hat, setzt sich drauf und verbiegt die Politik nach seinen Maßstäben und Beschwernissen. Ist der Druck ausreichend groß, erreicht man sogar das süße Bonbon in der Mitte. Wer jedoch zu lange daran lutscht, wird süchtig. Infolgedessen ist man bemüht, den Druck auf die Politik stetig hoch zu halten – ohne zu merken, dass sich irgendwann der erdbeerige Geschmack verflüchtigt.

Zu schmecken ist nur noch das Stahlgitter der Politik, der Rohbau, der genug Transparenz erlaubt, um das Übel im Innern zu begreifen. Der Atomkern des Bonbons liegt frei. Ja, Herr Brüderle, der Lack ist ab. Das Einlenken unserer Reagierung – von Führungsriege mag ich nicht mehr sprechen – ist den Landtagswahlen geschuldet. So verständlich dieses taktische Manöver auch ist, so gußeisern und überaus hanebüchen ist das Verschleiern im Nachhinein. Der Narr hat seine Weisheit – wenn auch erstmal in elitärer Runde – von sich gegeben. Geziehmt es einem solchen, das Maul, einer Handpuppe gleich, zur Faust zu ballen, sobald man ihn darauf anspricht? „Nein!“, möchte ich rufen. Herr Narr, outen Sie sich fürderhin – bekennen Sie sich zu Ihrer Wahrheitsbekundung und ihrem Funken der Anständigkeit. Reißen Sie das Maul auf und brüllen Sie zu jeder Gegebenheit und  in alle Ohren, wie Stahl schmeckt! Dann nur kann ich mich mit Ihrem Akt der Weisheit, wenn nicht verbrüderlen, so doch anfreunden.

Bis die Tage.

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2 Gedanken zu „Kein Narr, wer anders denkt…

  1. Matthias Borchelt sagte am :

    Fein formulierte Metaphorik, fast zu schön für diese Brüderles. Ich merke gerade, ich war zu lange nicht hier. Ich werde das ändern.

  2. Dank für deinen Kommentar, Mattes. Ob das Vorbeischauen tatsächlich – im Idealfall – belohnt wird, kann ich aber zzt. leider nicht versprechen. Ich versuch mein Bestes.
    Viele Grüße

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