Arno Boldt

Osamas Tod beruhigt die amerikanische Seele

Osama Bin Laden ist tot. Den Spezialkräften der Navy Seals ist ein Headshot gelungen. Die mediale Zelebration ist im vollen Gange: Freude überall, von Präsidenten und Bundeskanzlerinnen bis hin zur ganz normalen Bevölkerung in Übersee und wer weiß, wo sonst noch – wenn man den Medien glauben mag. Total toll, dass die geistige Führung al-Qaidas nunmehr einem leichten Meeresrauschen gewichen ist. Der Schlange wurde der Kopf abgeschlagen. Aber: Wie kann man erwarten, dass der restliche Körper, sich wohl im Todeskampf befindend, stillhält? Ist es nicht viel plausibler, dass gerade in den nächsten Wochen und Monaten Anschläge drohen? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich möchte dem Innenminister Friedrich nicht die Terror-Rede schreiben. Das sollte er schon selbst begründen können, warum die Beschneidung der Bürgerrechte wichtiger ist als eben jene daselbst. Vor allem, da nunmehr ein Weltenseufzer durch die Medien flimmert und auch die DAXe und WALLSTREETer einheitlich mitmachen. Ja, die Börsen gingen aufs Sonnendeck. Überall stieg die Zuversicht der Aktienmacher. Und deren Riecher gilt ja immer als vertrauenswürdig, wie wir wissen.

Im ganzen medialen Kuddelmuddel ist allerdings eine Frage ausgeblieben: War es nötig, Bin Laden per Kopfschuss auszuschalten? Wäre es für die Öffentlichkeit nicht besser gewesen, ihn vor ein Gericht zu stellen und – wahrscheinlich – über Jahre zu verhandeln? Es hätte einen rechtmäßigen, einen demokratischen Anstrich, in der Tat. Und die Medien hätten am Anfang mit brachialer Neugier das Geschehen verfolgt, um anschließend die Lust zu verlieren. Lediglich das Ergebnis, die vielfachen Lebenslängen, die er im Gefängnis hätte verbringen müssen, wären einen Newsticker wert gewesen.

Internationales Recht vs. Öffentliches Gemüt der US-Amerikaner. Was dem amerikanischen Oberkommando wichtiger war, ist nun geklärt. Und wer kann es Barack Obama verübeln? Schließlich hat er zzt. innenpolitisch nicht die ganz großen Erfolge vorzuweisen. Die Meinungsschlappe geht einher mit irrwitzigen Angriffen aus der republikanischen Ecke. Wozu also Jahre und Gelder – die man beiderseits nicht hat – verschwenden, wenn es doch eine Kugel auch erledigen kann? Das ist die Fortführung der us-amerikanischen Politik, das ist aber vor allem auch eines: bitter.

Bis die Tage.

Advertisements

Einzelbeitrag-Navigation

2 Gedanken zu „Osamas Tod beruhigt die amerikanische Seele

  1. Matthias Borchelt sagte am :

    Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer. Nein, es liegt mir fern, Osama bin Laden stilisieren oderr gar in eine Opferrolle bringen zu wolen, aber tot kann er wenigstens nicht über die US-amerikanische Außenpolitik mit ihren wechselnden Zuneigungen und darüber sprechen, wie er selbst lange Jahre in Afghanistan gefeierter Held und gesponserter Freiheitskämpfer anstatt Terrorist war. Fest steht – und das auch nicht erst seit diesem Blattschuss – dass auch Obama seine Unschuld längst verloren hat. Alles andere wäre wohl auch zu naiv gewesen.

  2. In der Tat! Dazu empfehle ich immer wieder gern: Volker Pispers. Ganz elegant auch auf youtube zu finden, zusammen mit den Stichworten „usa und terrorismus“.
    Gerade las ich übrigens, dass Obama die Gefangennahme Bin Ladens angeordnet haben wolle, dieser sich aber blöderweise nicht ergab. Ja, ein verletzter Indianer kennt womöglich keinen Schmerz und würde bis zum bitteren Ende weiterkämpfen. Und da ist in so einem Fall das nächste auf der Eskalationsgerade natürlich der Kopfschuss – ganz klar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: