Arno Boldt

Von Adel bis Kohlemacher.

Es sind die üblichen Verdächtigen der Bundespräsidentschaft: Scheel, von Weizsäcker, Herzog und Köhler. Die deutschen Online-Medien berichten zzt. über das Fernbleiben jener alten und älteren Herrschaften im Zusammenhang mit dem Zapfenstreich Wulffs. Und nicht nur das: auch – in der Hierarchie begünstigte – aktive Politiker wie Steinmeier scheuen sich, Gesicht zu zeigen.
So gut und gern man das findet und sehen möchte, und so toll es sein kann, die vielen Köpfe bei der Parade nicht zu kennen, so zeigt es doch die charakterlichen Schwächen all jener Männer und Frauen auf. In den Wochen der journalistischen Aufarbeitung und der tlw. Übertreibungen und Falschdarstellungen, lagen jene außerhalb des öffentlichen Blicks. Keiner* traute sich aus der Deckung, um Stellung zu beziehen. Und jetzt, da die Messen gesungen sind, die Bevölkerung eine tendenzielle Meinung hat und einhellig das amateurhafte Politikverständnis Wulffs beschlossen wurde, gibt es den feigen Tritt aus der dunklen Ecke.

Einfach miserabel!
.
—-
* Ich möchte natürlich den christdemokratischen Scharfmacher Peter Hintze nicht unterschlagen, der Christian Wulff stetig verteidigte; der aber auch in jeglicher aussichtslosen Situation das Parteibuch in seiner ihm eigenen Art hochhält.

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2 Gedanken zu „Von Adel bis Kohlemacher.

  1. Matthias Borchelt sagte am :

    So grundsätzlich feige die meisten Politiker/innen sich tatsächlich im Laufe der Affäre gebärdeten – viele sicher nicht zuletzt, weil sie ähnliche Verfehlungen zu bekennen hätten – so denke ich, dass sich nun gerade die Ex-Präsidenten nicht zu Worte meldeten, „weil man das nicht tut.“ Ein ungeschriebenes Gesetz verbietet ja auch Ex-Kanzlern sich zum Tagesgeschäft zu äußern und ich denke, dass nicht wenige sich daran gestört hätten, wenn ein Ex-Präsident sich nun gemeldet hätte.

    Das Fernbleiben halte ich daher nicht für so miserabel wie du, aber ich kann mich über die Motive natürlich auch täuschen. Im grunde ist mir das auch weniger wichtig. Lustig finde ich, wie alle gemeinsam an der faustdicken Lüge festhalten, er wäre aus politischen Gründen zurückgetreten, damit sie den Deal erfüllen können: Wulff hält die Fresse und bekommt dafür sein Schweigegeld bis ans Ende seiner Tage. Und nun packt Wulff ganz frech noch einen obendrauf: Er will auch die andere Hälfte für Büro und Transportation. Und auch die Erpressung wird wohl funktionieren, denn über die eine oder andere gemeinsame Leiche kann bestimmt auch das Wülffchen berichten.

    Insofern stimmt es schon. Das ist alles hundsmiserabel.

  2. In der Tat gibt so einige ungeschriebene Gesetze. Der Höflichkeit wird entsprochen. Aber ist es in der Tat so, dass man das Amt beschädigen würde, kritisierte man dessen Inhaber?

    Ist es auch ein ungeschriebenes Gesetz, die Absagen mit Terminen u. ä. zu garnieren? Wer schreibt diese Gesetze? Die Diplomatie oder der Respekt vor Amtsinhabern, aufgrund der Tatsache, dass sie ins Amt gekommen sind – ganz gleich, wie sie es ausfüllen?

    Hier ist es wohl ähnlich wie „Gottes Gerechtigkeit ist nicht gleich unsere, resp. meine“. Das Verständnis der Politiker davon, wann ein kritikberechtigtes Hinweisen angebracht ist, passt manchmal eben nicht zu meinem. Aber da hast du ganz gewiss auch schon deine Erfahrungen gemacht, wie ich hin und wieder lese.

    Viele Grüße!

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