Arno Boldt

Eine undifferenzierte Brandrede zum gegenwärtigen Nutzen der Kommentarfunktion bei populären Themen auf diversen Blogs

Das Internet ist eine seichte Geliebte, die mitunter Liebe und Hass eng beieinander trägt. So viele Blogs, Kommentare und Meinungen, die dort aufeinanderprallen, sich gegenseitig hochjubeln oder versuchen, die jeweils anderen unter sich zu begraben. Mir juckt es regelmäßig in den Fingern, undurchdachte, naive, aber boshafte, in der Argumentation fehlgeleitete Kommentare zu bändigen – ja, manchmal auch mit einem Kanister voller Worte zu überschütten und anzuzünden. Wie kann diese massenhafte Verbreitung von so viel Dummheit, so viel Ignoranz und Selbstgefälligkeit ein Fortschritt sein? Jeder, der nicht an sich halten kann, pinkelt in die Kommentarfunktion; fühlt sich beflissen genug, Sachverhalte einschätzen zu können und schriftlich fixieren zu müssen. Selten findet man darunter ein Korn des erhellenden Moments; sehr oft die Dauerschleife von Argumenten und – viel schlimmer – gekränkten Eitelkeiten.

Dass sich der Kommentator aber mit dem schwachen Geist seines Konstrukts und in letzter Konsequenz mit dem eigenen unerschrocken aller Einwände weiterhin brüstet, schockiert mich bis ins Mark hinein. „Den Blog schließen – sofort!“, denke ich. Minuten später jedoch bin ich gut ein Dutzend Blogs weiter gesprungen, und das Ventil, das ich öffnen wollte und doch geschlossen hielt, kann nicht mehr geöffnet werden, ohne zu verwüsten. Der Druck ist zu groß.

Die einzige Rettung für mich, so scheint es, ist dieser leidige Kommentar. Doch das ist trügerisch. Denn genau wie beschrieben, geht dieser Versuch mit einer Verwüstung einher. Ein Blog, der betrieben wird, um sich Luft zu machen und sich von dem zu distanzieren, was sich auf anderen Blogs zusammenbraut, ist ein Blog, der keine eigene Existenz besitzt. Er ist der negative Schatten all jener Blogs und ein Zweitgeruch der miefigen Rabulistik, die er zu kritisieren versucht.

Für mich bewirkt diese Erkenntnis sicherlich, in Zukunft Diskussionsschwalle auf fremden Seiten zu meiden. Damit es Ihnen mit mir nicht auch so geht, soll dies der erste und letzte Kommentar zu diesem Thema sein.

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2 Gedanken zu „Eine undifferenzierte Brandrede zum gegenwärtigen Nutzen der Kommentarfunktion bei populären Themen auf diversen Blogs

  1. Matthias Borchelt sagte am :

    Es fällt mir schwer, das zu kommentieren, weil jeder Kommentar wohlfeil aussehen muss. Aber ich wollte dir dennoch mitteilen, dass der Artikel mir gefällt und einer jener wenigen, bei denen ich mich sofort angesprochen fühle und wenigstens für die Dauer der Lektüre verspreche, ein besserer Mensch werden zu wollen. Besonder schön formuliert: „der negative Schatten all jener Blogs und ein Zweitgeruch der miefigen Rabulistik, die er zu kritisieren versucht“.

  2. Danke dir! Du bist hier zwar der einzige Kommentierende, aber im großen WWW wohl einer der wenigen, dessen Meinungsäußerungen selten deplatziert sind. Und ja, das ist wahrscheinlich untertrieben. VG

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