Arno Boldt

Gedicht oder nicht.

Die deutschen online- und print-Medien habens schon schwer. Täglich muss eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden, um Klicks zu provozieren. Neuerdings haben sie sich Günter Grass auserwählt. Sein Text in der Süddeutschen Zeitung wurde besonders von Henryk M. Broder vernichtend kommentiert. Und in der Tat: ich muss auch ein vernichtendes Urteil fällen. Aber nicht inhaltlich, sondern formal.*

Handelt es sich hierbei um ein Gedicht oder nicht? Herr Grass ist gewillt, es wie eines aussehen zu lassen. Als Strophen getarnte Einzelsätze gelten wohl allen Journallien als Beleg. Doch was macht genau ein Gedicht aus?

Hier können verschiedene Kriterien (sprachliche Verdichtung, Metaphorik/ Bildsprache, Metrik, Form, Reime oder freie Verse…) angeführt werden, die auch eine unterschiedliche Gewichtung haben. Man muss aber konstatieren, dass es keine Definition gibt, die auf alle Texte gleichermaßen angewendet werden kann. Jeder Text ist für sich schablonenartig mit den Kriterien zu betrachten. Je mehr Kriterien der Text aufweist, desto eher kann man von einem Gedicht sprechen. Allein die strophale Einteilung – wie bei Grass – gibt dem Text keinen lyrischen Gehalt. Als Merksatz vielleicht so: Leerzeilen machen kein Gedicht!

Insofern müsste sich Herr Broder gar nicht so echauffieren, Herr Grass verstecke sich und seine Meinung hinter der Kunst. Denn das, Herr Grass, ist kein Gedicht.

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* Eine inhaltliche Debatte ist sicher genauso interessant und vielleicht noch wichtiger, solang solche Ideologen wie Henryk M. Broder, dem eine programmatische und personelle Sympathie zum islamfeindlichen Blog „Politically Incorrect“ zugeschrieben wird, ihre Einseitigkeit und Parteilichkeit ungehemmt unter Beweis stellen.

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Ein Gedanke zu „Gedicht oder nicht.

  1. Soll das eine leise an (zum Gott erhobenen) Herrn Broder sein?
    Tausende (gleichgeschaltete!?) Journalisten können nicht irren! Wenn der Herr (äh, zumindest Gott gleiche) lächelnd sein vernichtendes Urteil erklärt, haben wir auch zu lächeln- schamhaft natürlich, denn eigentlich ist ja nicht Herr Grass gemeint sondern Gleichnisgleich wie es sich für einen Gottgleichen gehört ist der DurchschnittsGras, also antisemitische Bürger angesprochen.
    Also lächeln, aber schwitzend und grübelnd…ist da nicht vielleicht doch, so ein kleiner Antisemit in uns, regelrechte Blasphemie!? Aber das kompensieren wir dann durch donnernden Applaus und sind froh das die Sintflut nicht uns getroffen hat..

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